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Freitag, 28. August 2015

Videodrome

“The television screen is the retina of the mind's eye.”
(VIDEODROME)

Text von: Alexis Roldán

VIDEODROME könnte als prophetischer Film verstanden werden. Wie bei Fahrenheit 451 handelt der Film von einem auch heute überaus aktuellen Thema: den Medien.
Der Inhaber der Kabelfernsehgesellschaft „Civic TV“, Max Renn (James Woods), ist auf der Suche nach neuem Material für sein Hauptprogramm. Er entdeckt das Videoprogramm eines Piratensenders namens Videodrome. Dieses lässt mit seinen schrecklichen Szenen einen Tumor in den Zuschauer wachsen der Halluzinationen erzeugen kann Renn ist von dem Programm so beeindruckt und fasziniert, dass die Grenze zwischen Realität und Illusion verschwindet. Als er die Personen hinter Videodrome kontaktieren will, entdeckt er, dass alles eine Verschwörung ist. Die Zuschauer werden durch Sendungen wie denen von Max Renn manipulierbar und deswegen abhängig, eine tägliche Dosis Fernsehen zu konsumieren.
Max glaubt, Teil des Komplotts zu sein, als er erfährt, dass Videodrome auf seinen Sender aufgestrahlt wird. Infolge dessen wird er in einem Netz aus Verschwörungen, Halluzinationen und Körper-Metamorphosen verstrickt. Paranoia und Panik dominieren die zweite Hälfte des Films. Die Musik spielt hierbei eine besondere Rolle: Sie hält die Spannung hoch, aber gibt auch das Gefühl von Irrealität. Wie in anderen Filmen von Cronenberg, erscheinen Mutationen im Körper der Hauptfigur: In seinem Bauch hat der Protagonist einen Schlitz für Videokassetten und seine Hand verwandelt sich in eine Waffe. Aus heutiger Sicht betrachtet, sind die Effekte vielleicht nicht so beeindruckend, aber für die 1980er waren sie schockierend: Fernseher und Kassetten werden lebendig, Menschen werden mit den Geräten buchstäblich verbunden.
Allerdings sind solche Effekte typisch für Cronenberg: Mutationen, die nicht spektakulär sind, aber schrecklich, schmutzig, häufig auch mit sexuellen Konnotationen. Weitere Beispiele für solche Effekte kann man in “Crimes of the Future” (1984) und “Existenz” (1999) sehen.
Der Verstand der Zuschauer wird auch beeinflusst, weil man nicht sicher sein kann, was real und was fiktiv ist. Der Informationsüberfluss treibt Menschen in den Wahnsinn; der Zuschauer will immer mehr, sodass Information eine Droge wird. Man fragt sich langsam nicht mehr, was da über den Bildschirm flimmert. Videodrome könnte deshalb als Vorgänger von YouTube oder anderen Internetseiten gesehen werden, wo Quantität nicht gleich Qualität ist. Wir sind 24 Stunden am Tag verbunden und Medien und Geräte werden zu Ideologie, Religion und Fetisch.
Der Horror dieses Science-Fiction-Thrillers mit seinen schockierenden Bildern und seinen chaotischen Szenen gilt als eine Vorwarnung des Verhältnisses von Menschen zu Medien und Technologie.

Regie: David Cronenberg
Land: Kanada/USA
Jahr: 1983
Laufzeit: ca. 89 Min.

Signatur: Film 10 Cro*


























Donnerstag, 27. August 2015

Fahrenheit 451

“A book is a loaded gun in the house next door…Who knows who might be the target of the well-read man?”
(FAHRENHEIT 451)

Text von: Alexis Roldán

FAHRENHEIT 451 basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ray Bradbury. Dieser Film von Francois Truffaut spielt in einem Polizeistaat, wo Bücher verboten sind. Ordnung und Demokratie werden erreicht, indem die Menschen sich keine Fragen stellen, sich keine Sorgen machen und somit alle gleich werden. Medien und Drogen sorgen darüber hinaus dafür, dass Menschen nicht selbständig denken und sich nur um Unterhaltung kümmern.
Die Feuerwehr ist auf dieser Welt nicht dazu da, Feuer zu löschen, sondern um Bücher zu verbrennen. Die gesamte literarische Produktion der Vergangenheit wird ausgelöscht, und damit die Fragen, die die Menschen unglücklich machen. Selbständiges Denken gilt als asoziales Verhalten. Alle sind glücklich, alle müssen glücklich sein. Guy Montag, einer der Feuerwehrleute, die die Bücher verbrennen müssen, lernt ein Mädchen kennen, welches ihn in der Welt der Bücher einführt. Sie fragt ihn, ob er glücklich sei.
Als er eine Frau sieht, die sich mit ihren Büchern verbrennen lässt, kommen ihn erste Zweifelt. Er fragt sich, ob das, was er macht, das Richtige ist. Die Frage ist stärker als er. Er will selber erfahren, was in den Büchern ist und fängt deswegen an, Bücher zu lesen und zu sammeln. Er wird deswegen verfolgt, nachdem er von seiner Frau denunziert wurde.
Die Wandlung ist komplett, als er durch einen Literaturprofessor „im Land der Bücher landet“ und andere Leser kennen lernt, die sich nach Büchern benannt haben.
Der Film startete in Zeiten des Kalten Krieges, als die technischen Entwicklungen eine schönere Zukunft versprochen haben und die Staatskontrolle ein aktuelles Thema war. Im Fokus des Films steht die Frage nach der Informationsgesellschaft, nach staatlicher Kontrolle und Unterhaltungsindustrie - alles Themen die heutzutage noch aktuell sind, in der Zeit der Smartphones und Skandalen geheimdienstlicher Massenüberwachung wie dem NSA-Skandal, der durch Edward Snowden publik wurde.
Heute ein typisches Format für Science Fiction, waren sowohl der Film als auch das Buch Fahrenheit 451 damals bahnbrechend neu. Bis dahin hatte sich das Genre auf das konzentriert, was geschehen wird. Nun beobachteten die Autoren, was in der Gesellschaft heute passiert.
Wer sich für negative Utopien oder „Dystopien“ interessiert, sollte auch „1984“ von George Orwell oder „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley gelesen und die Verfilmungen dieser Werke gesehen haben. Die Liste von Filmen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, ist lang. Nennenswert sind auch Filme wie „Equilibrium“ und „Soylent Green“.
Die Spezialeffekte sind im Film Fahrenheit 451 nicht allzu spektakulär. Und das ist auch gut so, denn Truffaut stellt uns eine Welt vor, die sich nicht sehr von der unsrigen unterscheidet , außer ein paar technischen Entwicklungen, die für die 1960er Jahre erstaunlich waren, wie z.B. große Screens die an den Wänden hängen. Aber noch erstaunlicher ist, wie ähnlich diese Welt der unsrigen von heute ist. Obwohl Bücher in unserer Welt nicht verboten sind, sind die Menschen teilweise durch die Technik isoliert. Zum Glück haben die Reisenden in der U-Bahn außer Kopfhörern auch ab und zu ein Buch in der Hand. Es gibt also noch Hoffnung.

Regie: François Truffaut
Land: Großbritannien
Jahr: 1966
Laufzeit: ca. 112 Min.

Signatur: Film 10 Tru 2*
In der Filmsammlung Cinemathek der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (Haus Amerika-Gedenkbibliothek).

































 
biz.