(VIDEODROME)
Text von: Alexis Roldán
VIDEODROME könnte als prophetischer Film verstanden werden. Wie bei Fahrenheit 451 handelt der Film von einem auch heute überaus aktuellen Thema: den Medien. Der Inhaber der Kabelfernsehgesellschaft „Civic TV“, Max Renn (James Woods), ist auf der Suche nach neuem Material für sein Hauptprogramm. Er entdeckt das Videoprogramm eines Piratensenders namens Videodrome. Dieses lässt mit seinen schrecklichen Szenen einen Tumor in den Zuschauer wachsen der Halluzinationen erzeugen kann Renn ist von dem Programm so beeindruckt und fasziniert, dass die Grenze zwischen Realität und Illusion verschwindet. Als er die Personen hinter Videodrome kontaktieren will, entdeckt er, dass alles eine Verschwörung ist. Die Zuschauer werden durch Sendungen wie denen von Max Renn manipulierbar und deswegen abhängig, eine tägliche Dosis Fernsehen zu konsumieren. Max glaubt, Teil des Komplotts zu sein, als er erfährt, dass Videodrome auf seinen Sender aufgestrahlt wird. Infolge dessen wird er in einem Netz aus Verschwörungen, Halluzinationen und Körper-Metamorphosen verstrickt. Paranoia und Panik dominieren die zweite Hälfte des Films. Die Musik spielt hierbei eine besondere Rolle: Sie hält die Spannung hoch, aber gibt auch das Gefühl von Irrealität. Wie in anderen Filmen von Cronenberg, erscheinen Mutationen im Körper der Hauptfigur: In seinem Bauch hat der Protagonist einen Schlitz für Videokassetten und seine Hand verwandelt sich in eine Waffe. Aus heutiger Sicht betrachtet, sind die Effekte vielleicht nicht so beeindruckend, aber für die 1980er waren sie schockierend: Fernseher und Kassetten werden lebendig, Menschen werden mit den Geräten buchstäblich verbunden. Allerdings sind solche Effekte typisch für Cronenberg: Mutationen, die nicht spektakulär sind, aber schrecklich, schmutzig, häufig auch mit sexuellen Konnotationen. Weitere Beispiele für solche Effekte kann man in “Crimes of the Future” (1984) und “Existenz” (1999) sehen. Der Verstand der Zuschauer wird auch beeinflusst, weil man nicht sicher sein kann, was real und was fiktiv ist. Der Informationsüberfluss treibt Menschen in den Wahnsinn; der Zuschauer will immer mehr, sodass Information eine Droge wird. Man fragt sich langsam nicht mehr, was da über den Bildschirm flimmert. Videodrome könnte deshalb als Vorgänger von YouTube oder anderen Internetseiten gesehen werden, wo Quantität nicht gleich Qualität ist. Wir sind 24 Stunden am Tag verbunden und Medien und Geräte werden zu Ideologie, Religion und Fetisch. Der Horror dieses Science-Fiction-Thrillers mit seinen schockierenden Bildern und seinen chaotischen Szenen gilt als eine Vorwarnung des Verhältnisses von Menschen zu Medien und Technologie. | Regie: David Cronenberg Land: Kanada/USA Jahr: 1983 Laufzeit: ca. 89 Min.
Signatur: Film 10 Cro*
|

