Freitag, 28. August 2015

Engel der Verlorenen

„Die Japaner lieben es, sich für unsinnige Dinge zu opfern.“
(ENGEL DER VERLORENEN - Doktor Sanada)

Text von: Steffen Möller

In einem verwahrlosten Vorort einer nicht näher benannten japanischen Stadt hat Doktor Sanada (Takashi Shimura) eine Praxis, in der er die Bewohner des Viertels auch gegen TBC behandelt. Die Kontrolle über das Viertel hat die Yakuza, jene berüchtigte japanische Verbrecherorganisation, die schon seit Jahrhunderten die Unterwelt beherrscht. Matsunaga (Toshiro Mifune), Vertreter der Yakuza im Viertel, steht eines Nachts vor der Praxis des Doktors, um sich einen Nagel aus der Hand operieren zu lassen. Bei der Behandlung stellt sich der vermeintliche Nagel nicht nur als Pistolenkugel heraus, sondern Sanada entdeckt auch, dass Matsunaga an Tuberkulose leidet. Dieser weist jedoch den Vorschlag des Arztes, sich röntgen zu lassen, schroff ab und flieht aus der Praxis. Doktor Sanada, derseine inneren Dämonen mit Alkohol bekämpft, will dem jungen Gangster aber mit Hilfe der Arzthelferin Miyo (Chieko Nakakita), der Ex-Frau des im Gefängnis sitzenden Gangsters Okada (Reisaburo Yomamoto), helfen. Verzweifelt versucht er Matsunaga von der Dringlichkeit einer Behandlung zu überzeugen, da die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist und ihm die Zeit davon läuft. Als auch noch Okada aus dem Gefängnis entlassen wird und sofort beginnt, seine Vormachtstellung im Viertel zurück zu erobern, beginnt die Geschichte einen schrecklichen Verlauf zu nehmen… ENGEL DER VERLORENEN ist der erste Film Akira Kurosawas, bei dem er die volle Kontrolle inne hatte und neben der Regie auch für das Drehbuch verantwortlich war. Die erste Zusammenarbeit von Regisseur Kurosawa mit seinem späteren Stammschauspieler Mifune ist einer der ersten japanischen Film noir. Auch wenn der klassische Film noir vor allem Hollywoodproduktionen der 1940er und 1950er Jahre umfasst, braucht sich Kurosawas Werk nicht hinter den amerikanischen Produktionen verstecken. Wie in den US-Produktionen der Nachkriegsjahre, ist ENGEL DER VERLORENEN geprägt von den Erfahrungen der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg. Ebenso hatte die amerikanische Besatzung einen großen Einfluss auf das japanische Kino der Nachkriegsjahre und dieser Film noir ist das erste bedeutende Werk, das davon zeugt.. Alle Stilelemente des Film noir sind hier vorhanden: Schwarz-Weiß-Bilder in starkem Kontrast, eine aussichtslose, schicksalsgetriebene Geschichte und zwielichtige Figuren. Die Charaktere sind weitaus komplexer als manche Figuren der amerikanischen Filme und verweigern eine einfache Schwarz-Weiß-Malerei. Antiheld Matsunaga wird von Tifune so grandios verkörpert, dass man sich schwer tut, in ihm den Bösen zu sehen. Von der Tuberkulose gezeichnet, versucht er, sich aus dem Netz der Yakuza zu befreien und ein normales Leben außerhalb von Kriminalität und Gewalt zu leben. Nur Doktor Sanada, der seine Dämonen durch Alkohol zu bekämpft, versucht dem Gangster zu helfen. Doch ist eine Flucht aus dieser Welt, die noch immer durch das Krieger-Ethos der Samurai, jetzt verkörpert durch die Yakuza, geprägt ist, aussichtslos. Kurosawa übt hier unverhohlen Kritik an jener Geisteshaltung, welche Japans imperialistische Politik der 1920er und 1930er Jahre und damit auch die verheerende Katastrophe des Zweiten Weltkrieges und der Kapitulation begünstigte und heraufbeschwor. Auch weil die beiden Film noir Kurosawas - er drehte ein Jahr später mit Ein streunender Hund (JP 1949) einen weiteren - in Europa im Gegensatz zu seinen Samuraifilmen recht unbekannt sind, ist ENGEL DER VERLORENEN ein guter Einstieg, um sich dem Gesamtwerk des japanischen Regisseurs abseits der bekannten Schwertkampffilme anzunähern.

Originaltitel: Yoidore tenshi
Regie: Akira Kurosawa
Land: Japan
Jahr: 1948
Laufzeit: 98 Min.

Signatur: Film 10 Ku 7 *
In der Filmsammlung Cinemathek der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (Haus Amerika-Gedenkbibliothek).

































Weiterführende Literatur

Weiterführende Literatur

Zu einzelnen Filmgenres empfehlen wir zunächst die Reihe von Reclam:

Filmgenres - Fantasy- und Märchenfilm / hrsg. von Andreas Friedrich. - 2003. (Filmgenres / hrsg. von Thomas Koebner) (Reclams Universal-Bibliothek ; 18403).
ISBN 978-3-15-018403-5

Signatur: Th 716 Phant 107


Filmgenres - Film noir / hrsg. von Norbert Grob. - Stuttgart : Reclam, 2008. (Filmgenres / hrsg. von Thomas Koebner) (Reclams Universal-Bibliothek ; 18552).
ISBN 978-3-15-018552-0

Signatur: Th 716 Filmno 1*


Filmgenres - Science fiction / hrsg. von Thomas Koebner. 2003. (Filmgenres / hrsg. von Thomas Koebner) (Reclams Universal-Bibliothek ; 18401).
ISBN 3-15-018401-0

Signatur: Th 716 Phant 104

Weiterführende Literatur zum Genre Film noir:

Biesen, Sheri Chinen: Blackout : World War II and the origins of film noir. Baltimore, Md. [u.a.] : The Johns Hopkins Univ. Press, 2005.
ISBN 0-8018-8218-4

Signatur: Th 716 Filmno 7


Film noir : 100 all-time favorites / Paul Duncan ... (Hg.). - Köln : TASCHEN, 2014.
ISBN 978-3-8365-4353-8

Signatur: Th 716 Filmno 19


Muller, Eddie: Dark city : the lost world of film noir. London : Titan Books, 1998. ISBN 978-1-85286-984-7

Signatur: Th 716 Filmno 18

Weiterführende Literatur zum Genre Science Fiction:

101 Sci-Fi-Filme, die Sie sehen müssen, bevor das Leben vorbei ist / Hrsg. Steven Jay Schneider. [Übers.: Stefanie Kuballa-Cottone. Die Mitarb. Aleksander Becanovic ...]. - 1. Aufl. - Zürich [u.a.] : Ed. Olms, 2012.
ISBN 978-3-283-01169-7

Signatur: Th 716 Phant 186


Science-fiction : SF ; die illustrierte Enzyklopädie / John Clute. [Dt. Red. Wolfgang Jeschke. Dt. Übers. Ronald M. Hahn]. München : Heyne, 1996.
ISBN 3-453-11512-0

Signatur: L 44/69

Weiterführende Literatur zum Genre Fantasy:

Fremde Welten : Wege und Räume der Fantastik im 21. Jahrhundert / hrsg. von Lars Schmeink ... Berlin [u.a.] : de Gruyter, 2012.
ISBN 978-3-11-027655-8

Signatur: L 36/348








Weiterführende Literatur zum Genre Comic-Verfilmungen:

Caneppele, Paolo; Krenn, Günter: Film ist Comics : Wahlverwandtschaften zweier Medien ; die Projektionen des Filmstars Louise Brooks in den Comics von John Striebel bis Guido Crepax. Wien : Filmarchiv Austria, 1999.
ISBN 3-901932-03-8

Signatur: Th 636/38


Moscati, Massimo: Comics und Film. Frankfurt (M.) ; Berlin (W.) : Ullstein, 1988. (Ullstein-Buch ; 36560).
ISBN 3-548-36560-4

Signatur: Th 634/26

 Comic. Film. Helden : Heldenkonzepte und medienwissenschaftliche Analysen / Barbara Kainz. [Mit Beitr. von Jörn Ahrens ...]. Wien : Löcker, c 2009.
ISBN 978-3-85409-516-3

Signatur: Th 634/57



Film noir - Das Schicksalskino

Text von: Steffen Möller

Ein lange dunkle Straße, die wenigen Lichter aus den Straßenlaternen und einsamen Mietskasernen sind gerade schwach genug, um die Trostlosigkeit des Ortes zu verdecken. Man hört schnelle Schritte, sieht aber keinen Menschen, sondern nur lange Schatten, die sich an den grauen Hauswänden abzeichnen. In der nächsten Einstellung wird deutlich, warum die Schritte schneller werden, denn dem ersten Schatten folgt ein weiterer. Plötzlich ist die Straße zu Ende, noch dunkler, noch aussichtsloser ist die Sackgasse. Ein Schuss peitscht durch die Nacht, Schritte entfernen sich wieder. Zurück bleibt ein regloser dunkler Körper, das Gesicht nach unten, der Filzhut seltsam deplatziert neben dem Kopf. Im Hintergrund hört man jetzt schon das Heulen der Polizeisirenen anschwellen, die bleierne Ruhe der Nacht durchschneidend. Aus dem Dunkel der Nacht tritt ein weiterer Fremder, der das Opfer beschatten sollte und weder den Grund für den Mord, noch den Mörder kennt. Aus einem Routinefall ist ein Mordfall geworden.

Diese kleine Szene könnte der archetypische Anfang eines beliebigen Film noirs sein, der dunklen Epoche des amerikanischen Kinos. Doch zeichnet sich der Film noir unter anderem dadurch aus, dass er sich eben gar nicht in enge Konventionen pressen lässt. Film Noir definiert sich durch den Stil und die Weltsicht, die er transportiert, ebenso durch die Gefühle, die er weckt, die seine Charaktere dem Zuschauer vermitteln und nicht zuletzt durch das Schicksal als unabwendbare Macht. Die Welt im Film noir ist zutiefst pessimistisch, trostlos und mysteriös. Die Figuren sind einsame Wanderer auf der Suche nach Glück, Erfüllung oder ganz banal nach Geld. Und trotzdem wird der Zuschauer nicht mit einem Happy End belohnt, egal wie sich die Charaktere auch bemühen. Man wird am Ende eines Film noir eher die Erkenntnis haben, den Figuren sei Unrecht angetan worden, dass man in dieser Welt besser nicht leben wolle.

Aber wirft dies nicht einen realistischeren Blick auf die Welt, als die ebenso populären Tanzfilme und Screwball-Komödien Hollywoods? Die klassische Epoche des Film noir wird heute in die Zeit vom Ende der 1930er Jahre bis 1958 (dem Erscheinungsjahr von Orson Wells’ TOUCH OF EVIL / IM ZEICHEN DES BÖSEN) eingeordnet. Geprägt war diese Zeit von der Depression der 1930er und den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Auch die Nachkriegszeit und der beginnende Kalte Krieg mit seinen Ängsten und seiner Paranoia, die die amerikanische Gesellschaft umtrieben, spiegelten sich in der grundsätzlichen Sichtweise des Film noir wider. Und in einer Zeit des Konsens, der Konformität und Unsicherheit, in der sich die Menschheit jeder Zeit selbst auslöschen konnte, war der Film noir das realistische Vehikel, die Gefühle der Menschen anzusprechen und zu transportieren, mehr als es vielleicht andere Filmgenres hätten tun können.

Die Ästhetik des Film noir

Die Ästhetik des Film noir definiert auch, was er erst einmal nicht ist, nämlich kein Genre. Eher ist er durch die Atmosphäre, den Ton, die Stimmung und den Stil definiert.

Im Jahre 1946 verwendete der französische Filmkritiker Nino Frank erstmals den Begriff Film noir (“schwarzer Film”), als er die während der Besetzung durch die Deutschen im 2. Weltkrieg verbotenen Hollywoodproduktionen der Kriegszeit sichtete. Frank und anderen Filmkritikern fiel besonders die Atmosphäre der Filme auf, jener melancholische, zynische, pessimistische und düstere Grundton der oftmals verwundenen Geschichten. Diese Geschichten handeln häufig von desillusionierten Privatdetektiven, skrupellosen Gangstern und mysteriösen Femmes Fatales und spielen vor dem Hintergrund des Großstadt-Dschungels. Helden gibt es im Film noir nicht und als Anti-Helden verkörpern die Figuren die dunkle Seite der menschlichen Natur, die durch die moralisch verrottete, gewalttätige und bedrückende Umwelt zu Tage tritt. Sympathie wird man für die Figuren selten empfinden, eher Mitleid und vielleicht auch Ekel, denn selbst scheinbar unbescholtene Charaktere geben ihre Moralvorstellungen auf und erliegen den menschlichen Schwächen in einer Welt, die nichts verzeiht.

Bedeutend für den Stil des Film noir war auch die visuelle Umsetzung der Schauplätze durch die Verwendung starker schwarz-weiß Kontraste, weniger Lichtquellen und Schatten als bestimmende Elemente. Die Lichtsetzung ist angelehnt an die Filme des deutschen Expressionismus (viele deutsche Regisseure emigrierten nach 1933 in die USA) mit ihren senkrechten und schrägen Linien, welche dem Schauplatz der Großstadt entsprechen, entgegen der Horizontalen der amerikanischen Western. Das Vertikale weckt Unruhe und Bedrohung, die Schatten und Formen wirken unwirklich und fremd. Typische Film noir Einstellungen sind dunkle Innenräume mit einer einzigen Lichtquelle, die Fenster selbst am Tag verhangen und der Raum durch den allgegenwärtigen Zigarettenrauch seltsam undurchsichtig nebulös. Außeneinstellungen dagegen sind typischerweise in städtischer Umgebung angesiedelt, vorzugsweise bei Nacht. Feuchte Straßen und dunkle Gassen, Nebelschwaden, Neonlichter und spärliche bis gar keine Beleuchtung tragen die Stimmung der Ausweglosigkeit und Finsternis (der menschlichen Empfindungen). Die spärliche Beleuchtung der Werke des Film noir der Kriegszeit war aber nicht nur ein stilistisches Element, sondern auch den Restriktionen unter Kriegsbedingungen (Verdunkelung und Stromknappheit), sowie der oftmals knappen Budgets vieler B-Movie-Produktionen geschuldet.

Die Ursprünge des Film noir

Die Geschichte des Film noir lässt sich konservativ in zwei Phasen einteilen: die Phase des klassischen Film noir von 1941, beginnend mit der Buchadaption THE MALTESE FALCON / DIE SPUR DES FALKEN bis Orson Wells’ Meisterwerk TOUCH OF EVIL / IM ZEICHEN DES BÖSEN aus dem Jahre 1958 und die Phase der Filme ab 1960, die sich zunächst als Hommage an den Film noir entpuppten, später aber auch mit eigenständige Neuerungen die Konventionen des Genres erweiterten. Diese zeitgenössischen Filme werden häufig unter dem Begriff Neo-Noir verortet.
Natürlich sind nicht alle in dieser Zeit entstandenen GangsterfilmeFilm noir und beileibe nicht alle Hollywoodproduktionen. Auch schon vor 1940 entstanden gerade in Europa, vornehmlich Frankreich und England Filme, die durchaus dem Film noir zuzurechnen sind. Und gerade nach 1946 sind in diesen Ländern mit THE THIRD MAN / DER DRITTE MANN (GB 1949) und DU RIFIFI CHEZ LES HOMMES / RIFIFI (F 1955) zwei der bedeutendsten Werke des Film noir gedreht worden.
Anleihen zog der Film noir u.a. aus den Filmen des deutschen Expressionismus, hier sei vor allem DR. MABUSE, DER SPIELER (1922) von Fritz Lang genannt. Auch in M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931) bot Lang schon Stilelemente zukünftiger Film noir Produktionen auf, die ihn nach seiner Emigration in die USA ab 1936 zum Vorreiter des klassischen Film noir machten. Insbesondere deutschsprachige Regisseure und Kameramänner wie Lang, Robert Siodmak, Otto Preminger, Billy Wilder, Fred Zinnemann, Max Ophüls, Max Steiner, John Alton u.a. prägten mit Kameraeinstellungen, streng geometrischer Ausleuchtung und düsterer Ausstattung den Stil des Film noir. Aber auch die Filme des Poetischen Realismus aus Frankreich, wie LE QUAI DES BRUMES / HAFEN IM NEBEL (1938) und die Gangsterfilmproduktionen Hollywoods aus den 30er Jahren, trugen zur Entwicklung des Film noir bei.

Großen Einfluss auf den Film noir übte auchdie Hard-boiled- und Pulp-Literatur der 1920er und 30er Jahre aus, die mit ihren Figuren (dem hartgesottenen Detektiv, skrupellosen Gangster oder rachsüchtigen Ehefrau) die Prototypen für die Noir-Charaktere der Filmproduktionen lieferten. Bekannte Autoren des beliebten Hard-boiled-Genres wie Raymond Chandler, Dashiell Hammett, James M. Cain oder Cornell Woolrich lieferten die literarischen Vorlagen für viele Film noir Drehbücher. Raymond Chandler war hier sicherlich der bedeutendste Autor und schrieb für Hollywood später die Drehbücher für Film noir Klassiker wie DOUBLE INDEMNITY / FRAU OHNE GEWISSEN (1944), THE BLUE DAHLIA / DIE BLAUE DAHLIE (1946) und STRANGERS ON A TRAIN / DER FREMDE IM ZUG (1951).

Der Neo-Noir

Gegen Ende der 1950er Jahre erschöpfte sich der Film noir mit seinen Stil, Inhalt und Figuren immer mehr. Die Filme der Nachkriegsjahre waren immer pessimistischer und zynischer geworden, die kollektive Erfahrung der Kriegsjahre ließ wenig Hoffnung erwarten, dass die Guten moralisch unbeschadet aus den Konflikten hervorgehen würden. Film-noir-Elemente beeinflussten mittlerweile auch andere Filmgenres wie Melodramen, Western und Science-Fiction. Die Zeit des klassischen Film noir neigte sich dem Ende zu.

Viele Filme, die ab 1960 entstanden, nahmen Bezug auf den Film noir, nutzten dessen Elemente und Strukturen, erweitert mit aktuellen Themen, neuen Trends und Technologien. Durch die Übernahme bzw. Variation klassischer Noir-Elemente, besonders in Bezug auf den Stil, die Charaktere und Themen, knüpften zeitgenössische Produktionen explizit am Film noir an. Dieses Genre wird deshalb auch als Neo-Noir bezeichnet, wobei es eigenständig neben dem Film noir existiert und nicht untergeordnet ist.
Neo-Noir zeichnet sich gerade dadurch aus, dass Elemente wie Gewalt und Sexualität viel stärker thematisiert und zugespitzt werden, als dies noch beim Film noir der Fall war. Neo-Noir Filme wie POINT BLANK (USA 1967), TAXI DRIVER (USA 1976), MILLER'S CROSSING (USA 1989) oder BASIC INSTINCT (USA 1992) zeigten dies deutlich.
Doch nicht nur die Übernahme von Noir-Elementen, sondern auch modernen Adaptionen oder Remakes klassischer Film noir, wie THE LONG GOODBYE / DER TOD KENNT KEINE WIEDERKEHR (USA 1973), THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE / WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT (USA 1981) oder D.O.A. / D.O.A. - BEI ANKUNFT MORD (USA 1988) sind beispielhaft für den Neo-Noir. Ebenso spielen Filme wie CHINATOWN (USA 1974), L.A. CONFIDENTIAL (USA 1997) und THE BLACK DAHLIA / BLACK DAHLIA (USA 2006) nicht nur in der Entstehungszeit der klassischen Film noir, sie kopieren auch Stil, Kleidung, Lichteinsatz, Kameraeinstellungen und Handlung und transferieren den Film noir in Farbe. Der Neo-Noir, so zeigt sich, ist noch weniger klar definierbar, als der klassische Film noir, da dieser nur die prägenden Elemente und Stile liefert, aus der sich eine Vielzahl an Genres bedienen und eigene Interpretationen schaffen.
Dies ist eine Zusammenstellung der im Text genannten Film noir und Neo-Noir mit den zugehörigen Signaturen der Filme aus unserem Bestand:

Dr. Mabuse der SpielerFilm 5 Lang 7*
M – Eine Stadt sucht einen MörderFilm 10 Lang 1*
Hafen im Nebel / Le Quai des brumesFilm 10 Carn 3*
Die Spur des Falken / The Maltese FalconFilm 10 Hu 4*
Frau ohne Gewissen / Double IndemnityFilm 10 Wild 24*
Die blaue Dahlie / The blue DahliaFilm 10 Marsh G 2*
Der dritte Mann / The Third ManFilm 10 Ree 4*
Der Fremde im Zug / Strangers on a TrainFilm 10 Hit 12*
Rififi / Du rififi chez les hommesFilm 10 Dass 1*
Im Zeichen des Bösen / Touch of EvilFilm 10 Well 9*
Point Blank – Keiner darf überleben / Point BlankFilm 10 Boo 6*
Der Tod kennt keine Wiederkehr / The long GoodbyeFilm 10 Alt 14*
ChinatownFilm 10 Pola 10*
Taxi DriverFilm 10 Sco 11*
Wenn der Postmann zweimal klingelt / The Postman always Rings TwiceFilm 10 Ra 8*
D.O.A. – Bei Ankunft Mord / D.O.A.Film 10 Mort 1*
Miller’s CrossingFilm 10 Coe 3*
Basic InstinctFilm 10 Verh 14*
L.A: ConfidentialFilm 10 Han 4*
Black Dahlia / The Black Dahlia

Videodrome

“The television screen is the retina of the mind's eye.”
(VIDEODROME)

Text von: Alexis Roldán

VIDEODROME könnte als prophetischer Film verstanden werden. Wie bei Fahrenheit 451 handelt der Film von einem auch heute überaus aktuellen Thema: den Medien.
Der Inhaber der Kabelfernsehgesellschaft „Civic TV“, Max Renn (James Woods), ist auf der Suche nach neuem Material für sein Hauptprogramm. Er entdeckt das Videoprogramm eines Piratensenders namens Videodrome. Dieses lässt mit seinen schrecklichen Szenen einen Tumor in den Zuschauer wachsen der Halluzinationen erzeugen kann Renn ist von dem Programm so beeindruckt und fasziniert, dass die Grenze zwischen Realität und Illusion verschwindet. Als er die Personen hinter Videodrome kontaktieren will, entdeckt er, dass alles eine Verschwörung ist. Die Zuschauer werden durch Sendungen wie denen von Max Renn manipulierbar und deswegen abhängig, eine tägliche Dosis Fernsehen zu konsumieren.
Max glaubt, Teil des Komplotts zu sein, als er erfährt, dass Videodrome auf seinen Sender aufgestrahlt wird. Infolge dessen wird er in einem Netz aus Verschwörungen, Halluzinationen und Körper-Metamorphosen verstrickt. Paranoia und Panik dominieren die zweite Hälfte des Films. Die Musik spielt hierbei eine besondere Rolle: Sie hält die Spannung hoch, aber gibt auch das Gefühl von Irrealität. Wie in anderen Filmen von Cronenberg, erscheinen Mutationen im Körper der Hauptfigur: In seinem Bauch hat der Protagonist einen Schlitz für Videokassetten und seine Hand verwandelt sich in eine Waffe. Aus heutiger Sicht betrachtet, sind die Effekte vielleicht nicht so beeindruckend, aber für die 1980er waren sie schockierend: Fernseher und Kassetten werden lebendig, Menschen werden mit den Geräten buchstäblich verbunden.
Allerdings sind solche Effekte typisch für Cronenberg: Mutationen, die nicht spektakulär sind, aber schrecklich, schmutzig, häufig auch mit sexuellen Konnotationen. Weitere Beispiele für solche Effekte kann man in “Crimes of the Future” (1984) und “Existenz” (1999) sehen.
Der Verstand der Zuschauer wird auch beeinflusst, weil man nicht sicher sein kann, was real und was fiktiv ist. Der Informationsüberfluss treibt Menschen in den Wahnsinn; der Zuschauer will immer mehr, sodass Information eine Droge wird. Man fragt sich langsam nicht mehr, was da über den Bildschirm flimmert. Videodrome könnte deshalb als Vorgänger von YouTube oder anderen Internetseiten gesehen werden, wo Quantität nicht gleich Qualität ist. Wir sind 24 Stunden am Tag verbunden und Medien und Geräte werden zu Ideologie, Religion und Fetisch.
Der Horror dieses Science-Fiction-Thrillers mit seinen schockierenden Bildern und seinen chaotischen Szenen gilt als eine Vorwarnung des Verhältnisses von Menschen zu Medien und Technologie.

Regie: David Cronenberg
Land: Kanada/USA
Jahr: 1983
Laufzeit: ca. 89 Min.

Signatur: Film 10 Cro*


























Immortal : New York, 2095 ; Die Rückkehr der Götter

Text von: Andreas Terjaew

Im Jahr 2095 taucht über der Stadt New York ein Raumschiff in Form einer Pyramide auf. Ähnlich wie in der literarischen Vorlage ist die Handlung in einer dystopischen Welt angesiedelt. Die Handlung von IMMORTAL lehnt sich an die ersten zwei Bände des Comics „Die Geschäfte der Götter“ (Orig. Titiel „La foire auy immortels“, 1980) und „Die Frau aus der Zukunft“ (Orig. Titel „La femme piege“, 1986), der Alexander Nikopol Trilogie an. Teilweise scheinen die Bilder der Vorlage aus dem Comic getreu übernommen worden zu sein und sind selbst in kleinsten Einzelheiten erkennbar. Enki Bilal, der Schöpfer des Comics ist gleichzeitig auch der Regisseur der Verfilmung. Alexander Nikopol wird von dem deutschen Schauspieler Thomas Kretschmann gespielt. Als Vorlage für die Figur im Comic lehnt sich Bilal an das Äußere desSchauspielers Bruno Ganz an. Diese Anlehnung wird besonders im Band „Die Frau aus der Zukunft“, dessen Handlung in Berlin spielt, anhand eines Filmplakates zum Film „DER AMERIKANISCHE FREUND“ (BRD/ Frankreich, 1977), verdeutlicht.

Im Gegensatz zum Comic befindet sich der Schauplatz des Films in New York. Nachdem der ägyptische Gott Horus sich des Körpers des in den Kälteschlaf versetzten Dissidenten Alexander Nikopol bemächtigt hat, kann er in Menschengestalt seinen Plan verwirklichen. Eine der Schlüsselfiguren ist die blauhaarige Jill, eines der wenigen Geschöpfe im Universum, das in der Lage ist, Götter zur Welt zu bringen. Mit ihrem blauen elektrisch aufgeladenen Haar ist sie für den mächtigen Konzern „Eugenics“ von besonderem Interesse. Ihre Zellstruktur scheint kaum zu altern. Alexander Nikopol war der Gründer einer Widerstandsbewegung gegen den Konzern „Eugenics“. Zum Staatsfeind erklärt wird er für mehrere Jahrzehnte in einem schwebenden Hochsicherheitsgefängnis in den Kälteschlaf versetzt, bis ein mechanischer Defekt die Kapsel, in der sich Nikopol befindet, auf die Erde abstürzen lässt. Die Vergangenheit von Alexander Nikopol wird anhand schwebender Hologrammtafeln und Parolen gegen den Konzern angedeutet. Auch das Auftauchen des Raumschiffs wird mit ungeklärten Zusammenhängen im Central Park in Verbindung gesetzt und im Hintergrund thematisiert. Im Central Park kommt es auch zum Finale des Films.

Abgesehen von einigen realen Schauspielern, ist der Film komplett computeranimiert. Die Szenerie der Metropole New York wird glaubhaft vermittelt und erinnert des Öfteren an den Film „DAS FÜNFTE ELEMENT“ (Orig. Titel „The fifth element“, Frankreich/ USA, 1997). Der Film wirkt vergleichsweise angestaubt, statt hervorstechenden grellen Farben wird die Szenerie durch kühle Farbästhetik begleitet, was sich in etwa an der Farbgestaltung des Comics orientiert und insgesamt durchaus sehenswerte Kulissen bietet. Der Charme aus antiken Göttern, politischen Machtspielen und düsterer Zukunftsvision macht den Film einzigartig. Im Fazit ist der Film trotz einiger Schwächen sehenswert und regt an, die Comicvorlage näher anzuschauen.

Literaturempfehlung
Alexander Nikopol im 21. Jahrhundert : - 1. Die Geschäfte der Unsterblichen. - 2. Aufl. - 1989.
Ju 1001 Bilal 1:01.1970-89

Alexander Nikopol im 21. Jahrhundert : 2. Die Frau in der Zukunft. - 1. Aufl. – 1988
Ju 600 Alex 1:02

Originaltitel: Immortel (ad vitam)
Regie: Enki Bilal
Land: Frankreich, Italien, Großbritannien
Jahr: 2004
Laufzeit: 103 min

Signatur: Film 10 Bila 2*
In der Filmsammlung Cinemathek der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (Haus Amerika-Gedenkbibliothek).


































Wie finde ich meinen Lieblingsfilm?

Dieser Beitrag unterstützt Sie bei der Suche nach Ihrem Lieblingsfilm in der Cinemathek der Zentral- und Landesbibliothek Berlin im Haus Amerika-Gedenkbibliothek (Adresse: Blücherplatz 1, 10961 Berlin; am U-Bhf. Hallesches Tor).

Um die korrekte Signatur und damit auch den Platz des gesuchten Films im Regal herauszufinden, empfiehlt sich die Benutzung des Online-Katalogs der Öffentlichen Bibliotheken von Berlin (OPAC ), www.voebb.de. Wie so oft, führen auch bei der Recherche in einem Katalog „viele Wege nach Rom“.

Wir gehen hier davon aus, dass Sie den Titel des gesuchten Films oder zumindest Teile des Titels kennen.

Es erleichtert die Suche erheblich, wenn Sie zuvor auch den Regisseur beziehungsweise die Regisseurin herausgefunden haben.

Antworten auf die Fragen „Wie recherchiere ich den Originaltitel eines Films bzw. den/die Regisseur/in?“ oder „Wie finde ich einen Film zu einem bestimmten Thema?“ sowie weitere Hinweise zur Filmsuche finden Sie auf der Webseite der Cinemathek der ZLB.

In den folgenden Schritten erklären wir Ihnen beispielhaft die Suche in unserem Katalog.

Wir suchen den Film DER HOBBIT, und zwar den ersten Teil EINE UNERWARTETE REISE.

Suche im OPAC

1. Wählen Sie auf der Startseite des Online-Katalogs im Menü auf der linken Seite „Suche“ aus. Sie können sich für „Schnellsuche“ oder „Standardsuche“ entscheiden. Wir entscheiden uns für die Standardsuche, weil wir den Filmtitel und den Regisseur kennen und hier weitere Verfeinerungen der Suche möglich sind.

2. In beiden Fällen erreichen Sie den Filmbestand der ZLB, indem Sie den Bezirk ZLB auswählen.

Zu den Schritten 1. und 2. siehe Abbildung 1.
Abb. 1

 3. Geben Sie bei der Katalogrecherche den Filmtitel im Feld „Titel“ ein. Kennt man den exakten Titel und möchte möglichst wenige Treffer angezeigt bekommen, so kann die Einstellung „exakter Titel“ ausgewählt werden.

4. Für eine eindeutige Suche können Sie zusätzlich den Namen des Regisseurs beziehungsweise der Regisseurin im Feld „1. Person“ eingeben (also beispielsweise Jackson). Dies erleichtert Ihnen die Suche, wenn der Titel mehrfach vorkommt. Oft trifft ein Titel oder zumindest das von Ihnen eingegebene Titelstichwort auf mehrere unterschiedliche Werke zu. Bei einer Suche alleine mit dem Titel könnten Sie daher in der Trefferliste zu anderen Werken als den von Ihnen gesuchten Filmen gelangen, z.B. zu einem Remake des Films. Wenn darüber hinaus der Autor einer literarischen Vorlage bekannt ist, könnte dieser als „2. Person“ eingetragen werden (z.B. Tolkien).

5. Zusätzlich können Sie die von Ihnen gewünschte Medienart eingeben (DVD-Video, Blu-ray oder Video). Wenn Sie für das Feld „Medienart“ keine Eintragung auswählen, so wird nach allen vorhandenen Formaten (beispielsweise DVD, Blu-Ray) des Films gesucht. Wir entscheiden uns für die Medienart „DVD Video“.

Zu den Schritten 3. bis 5. siehe Abbildung 2 .
Abb. 2

6. Starten Sie die Suche über das Feld „Suche starten“.


 7. Die vorhandenen Medien werden in einer Trefferliste angezeigt. Sie können an den farbigen Symbolen rechts neben den einzelnen Titeln erkennen, ob der Titel im Regal steht oder ausgeliehen ist. Ein grünes Symbol bedeutet, dass das Medium im Regal für Sie verfügbar ist.


Ein rotes Symbol bedeutet dagegen, dass es gerade ausgeliehen ist.

Zu Schritt 7 siehe Abbildung 3.

Abb. 3

8. Zur Auswahl des gewünschten Titels genügt es, diesen einfach in der Trefferliste anzuklicken . Sie gelangen zu dem Titeldatensatz mit den Angaben zu u.a. den Sprachen, Untertiteln und dem Regionalcode . Insbesondere zum Regionalcode finden Sie weitere Informationen in der Rubrik „Häufige Fragen“ der Cinemathek der ZLB unter „Technische Fragen“.

 9. Die Signatur zum Auffinden am Regal lässt sich durch Klicken auf den Button „Verfügbarkeit / Bestellen“ herausfinden.

Zu den Schritten 8. und 9. siehe Abbildung 4.
Abb. 4

10. Die vorhandenen und entliehenen Exemplare mit der jeweiligen Signatur sehen Sie in Abbildung 5. Sie können den Film mit dieser Signatur am Regal suchen und ausleihen.
Der Standort "Freihand" bedeutet, dass das Medium im Regal für Sie frei zugänglich ist. Magazinbestände sind nicht frei zugänglich, sie sind online bestellbar.

Abb. 5

Sie suchen einen Film am Regal?


In der Zentral- und Landesbibliothek Berlin im Haus Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) sind die Spielfilme nach Regisseuren geordnet. Stummfilme sind unter der Signatur Film 5, Spielfilme der Tonfilmzeit unter der Signatur Film 10 zu finden.
 

Es gibt gute Gründe, die Filme in der Cinemathek der ZLB nach Regisseur zu ordnen. Ein riesiger Vorteil ist, dass alle Versionen eines Films, also auch die Ausgaben in anderen Sprachen, immer beieinander stehen. So finden Sie zum Beispiel sowohl die deutschsprachige Version eines Films mit dem deutschen Verleihtitel (z.B. DER HERR DER RINGE), als auch die ausländische Edition mit dem Originaltitel des Films (THE LORD OF THE RINGS) unter dem Regisseur Jackson (Film 10 Jack*).


Die Filmsammlung der Cinemathek der ZLB ist international ausgerichtet, d.h. Sie finden bei uns in- und ausländische Editionen verschiedener Formate (DVD und Blu-ray) im Regal.

Außerdem bekommt man durch die Aufstellung nach Regisseuren einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerk eines Regisseurs.

Neu in der Cinemathek ist die Systemstelle Film 7 Fernsehserien. In diesem Bereich stehen die Serien alphabetisch nach dem Titel geordnet. Dies liegt daran, dass Fernsehserien oft mehrere Regisseure haben und daher am leichtesten nach dem Titel (Originaltitel) gefunden werden können. Falls Sie nur den deutschen Verleihtitel der Serie kennen, können Sie diesen im OPAC eingeben und so auch den Originaltitel der Serie und die Signatur ermitteln.

Eine Anleitung für Bestellungen aus dem Magazin/Außenmagazin, für Bereitstellungen & Vormerkungen finden Sie auf dem YouTube-Kanal der ZLB.

 
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