Donnerstag, 27. August 2015

Desert Fury

Zwei Männer wollten ihre Liebe… Der Dritte ihr Leben!
(DESERT FURY)

Text von: Steffen Möller

In der Wüstenstadt Chuckawalla betreibt die resolute Fritzi Haller (Mary Astor) erfolgreich ein Spielkasino. Sie bestimmt nicht nur das Leben in der kleinen Stadt, sondern auch das ihrer aufmüpfigen neunzehnjährigen Tochter Paula (Lizabeth Scott). Als der ehemalige Liebhaber Fritzis, der Berufsspieler Eddie Bendix (John Hodiak) mit seinem Geschäftspartner und Kumpel Johnny Ryan (Wendell Corey) in der Stadt eintrifft, verliebt sich Paula in den zwielichtigen Mann. Da Bendix unter dem Verdacht steht, seine Ehefrau ermordet zu haben, versucht ihre Fritzi, die Liebesbeziehung ihrer Tochter zu unterbinden. Je stärker sie Paula jedoch von Bendix abbringen will, desto mehr fühlt diese sich zu dem zwielichtigen Spieler hingezogen. Auch Bendix‘ Partner Johnny versucht die Beziehung seines Kumpanen zu der jungen Frau zu sabotieren. Der Hilfssheriff und ehemalige Rodeoreiter Tom Hanson (Burt Lancaster), ist von dem Auftauchen der beiden Männer aus der fernen Großstadt ebenso wenig erfreut, weiß er doch um die Gerüchte um den ungeklärten Unfalltod von Bendix‘ Frau und auch er selbst ist die attraktive Paula verliebt…

DESERT FURY ist ein ungewöhnlicher Film noir und neben TODSÜNDE (USA 1944, Regie: John M. Stahl) einer der wenigen Filme dieser Gattung, die in Technicolor gedreht wurden. Es ist auch ein Film, der selten auf einschlägigen Listen zum Film noir auftaucht und gemeinhin als recht durchschnittlich betrachtet wird. Aber gerade weil er nicht die typischen Versatzstücke eines Film noir aufweist, ist er es doch überaus sehenswert. DESERT FURY wäre beinahe Burt Lancasters Leinwanddebut geworden, doch da sich der Start der Dreharbeiten verzögerte, sprach Lancaster noch für Robert Siodmaks THE KILLERS / RÄCHER DER UNTERWELT (USA 1946) vor und bekam die Rolle, welche ihn über Nacht zum neuen Star des Film noir machen sollte. Regisseur Lewis Allen, Entdecker von Kirk Douglas und Charlton Heston, schien mit Lancaster den nächsten großen Star gefunden zu haben, doch leider konnte auch dies den Film bei den Kritikern nicht beliebter machen.

DESERT FURY spielt im fiktiven Ort Chuckawalla und schon dabei stellt sich die Frage: Kann ein Film noir in der Wüste funktionieren? Hier fehlen die Großstadt und die Schwarz-Weiß-Düsternis, die Wüstensonne lässt den Ort wenig bedrohlich wirken. Selbst im Vergleich zu manchem Western ist das Städtchen geradezu idyllisch und weit entfernt von der kranken, von Krieg und Korruption gebeutelten Großstadt.
Und trotzdem gibt es da etwas unter der Oberfläche, etwas Unausgesprochenes aus der Vergangenheit. das die Idylle der Stadt stört. Das Schwarz ist hier nicht die bestimmende Farbe, es ist in den Herzen der Menschen. Bestimmend für die Beziehungen der Figuren sind die sexuellen Spannungen und Mehrdeutigkeiten. Zunächst die Mutter-Tochter-Beziehung der Club-Besitzerin Fritzie Haller (grandios gespielt von Mary Astor), deren Dominanz über ihre Tochter Paula diese in die Arme des Gangster Eddie Bendix treibt. Bendix und seinen Kompagnon Johnny Ryan verbindet ein sexuell ambivalentes Verhältnis, dasmehr als nur eine kriminelle Partnerschaft andeutet. Die Dreiecksbeziehung zwischen Paula, Eddie und Johnny, sowie die Intervention von Kleinstadtsheriff Tom Hanson, der selber ein Auge auf die attraktive Paula geworfen hat, lassen eher an ein Drama denken. Doch Zynismus, Verrat und Korruption, durch die zwielichtigen dubiosen Gestalten Eddie und Johnny aus der Großstadt in das (scheinbare) Paradies gebracht, setzen damit eine Kette aus Intrigen, Rache und Verrat in Gang.

Regie: Lewis Allen
Land: USA
Jahr: 1947
Laufzeit: 92 Min.

Signatur: Film 10 Alle L 7*
In der Filmsammlung Cinemathek der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (Haus Amerika-Gedenkbibliothek).

































Strange Love for films

Author & Editor

Hinter diesem Blog stehen 5 Azubis (Tobias Funk, Steffen Möller, Alexis Roldán, Laura Rücker, Andreas Terjaew) der Zentral- und Landesbibliothek Berlin.

 
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